Interview ISG Personalentwicklung & Training, Teil 2

Mag. Alfred Schaider – Trainer, Teamentwickler, Coach
, +43 664 856 42 33

Im zweiten Teil der Interviewserie berichtet der Trainer, Teamentwickler und Coach Alfred Schaider von den
Veränderungen, die mit der Pandemie im Bereich Personalentwicklung & Training einhergegangen sind, welche neuen
virtuellen Angebote entwickelt wurden und warum New Ways of Learning eine bedeutende Rolle einnehmen werden.

Sie haben in dem ersten Teil der Interviewserie erwähnt, dass Sie und Ihre Kollegen stets in Kontakt mit Kunden sind. Wie verhält sich dies in Zeiten der Pandemie?

Im Grunde besteht kein Unterschied, verglichen mit dem Kundenkontakt zu Zeiten vor Corona.

Bei uns wurde auch vor der Pandemie viel telefoniert, was dazu geführt hat, dass unsere Kunden daran gewöhnt sind, sich in virtuellen Meetings abzustimmen. Insofern ging der Kontakt nie verloren, sondern wurde sogar noch intensiviert. Wir sind ab dem ersten Tag proaktiv auf unsere Kunden zugegangen und konnten so viele Projekte fortführen und starten.

Welche Veränderungen hat die Corona-Pandemie im Bereich Personalentwicklung & Training mit sich gebracht?

Wir, die 25 im ganzen Land verstreuten Trainer der ISG, sind noch näher zusammengerückt. Zwar pflegten wir schon immer eine virtuelle Arbeitskultur, allerdings hat sich diese, bedingt durch die Pandemie, stärker intensiviert und gefestigt. Als Mitte März 2020 der Lockdown verkündet wurde, haben wir innerhalb eines Tages unser gesamtes Leistungsportfolio im Personalentwicklungs- und Trainingsbereich umgestellt, sodass wir bereits am ersten Tag des Lockdowns unsere neuen, virtuellen Produkte präsentieren konnten. An diesem Tag erhielt ich bereits die erste Anfrage für ein virtuelles Coaching.

Einige unserer Trainer hatten zuvor schon Erfahrung im virtuellen Trainingsbereich, eine Kollegin trainierte bereits vor 20 Jahren im Blended-Learning-Modus. So hatten wir von Anfang an das richtige Mindset und haben die Situation und die damit einhergehende Virtualisierung als eine Chance gesehen. Früher war es eine Ausnahme virtuell zu trainieren, jetzt ist es die Regel.

Inwiefern wurden Angebote adaptiert und welche neuen Angebote sind entstanden?

Zunächst vorab eine Erklärung, welche Veränderung das virtuelle Training mit sich gebracht hat.

Bei Präsenzveranstaltungen verbringt der Trainer meistens ein bis zwei Tage mit einer Gruppe und hat dadurch mehr Zeit, die Gruppendynamik und den Austausch zu nutzen. In einem Online-Setting kann man höchstens vier bis sechs Stunden trainieren, denn obwohl es sehr interaktiv gestaltet ist, wird es für die Teilnehmer schnell anstrengend. Das heißt, Dinge müssen schneller auf den Punkt gebracht werden. Interaktion ist mit virtueller, interaktiver Gruppenarbeit zu fördern, die Teilnehmer müssen direkt angesprochen werden. Das Ganze wird auf kleinere „snack-size“ Nuggets aufgeteilt, indem man eine Gliederung größerer Blöcke in Themenbereiche vornimmt. Ich möchte aber auch erwähnen, dass die Gestaltung hierbei sehr von den Kunden abhängig ist. Wir achten darauf, wie die Kultur des Unternehmens ist, um welches Thema es sich handelt, wie die Mitarbeiter interagieren etc.

Im Zuge der Pandemie wurde eine Vielzahl neuer Angebote erstellt, die grundsätzlich von folgenden Fragen geleitet werden. Wie kann man bestmöglich von zuhause aus arbeiten, wie organisiert man das eigene Homeoffice in Verbindung mit der idealen Einrichtung des Arbeitsplatzes und wie kommuniziert man weiterhin mit seinen Kollegen etc.. So entstanden die Themen Smart Working und Virtual Collaboration, also die virtuelle Zusammenarbeit innerhalb eines Teams. Deshalb ergab sich auch bei den Führungskräften die Fragestellung, wie bleibe ich mit den Mitarbeitern in Kontakt, wie fange ich die Stimmung der Mitarbeiter ein und wie bleibt der Spirit erhalten – und auch hierhingehend haben wir ein neues Angebot erstellt, Virtuelle Führung, um bestmögliche Unterstützung zu leisten.

In weiteren Angeboten geht es um virtuelles Verkaufen, virtuell erfolgreich verkaufen und Sales Strategien, oder die professionelle Kundenkommunikation. Wie bleibt man am besten mit Kunden in Kontakt, wie moderiert man Meetings bzw. wie trainiert man über Distanz? Die letzten Punkte werden in unserem Angebot Virtuelle Meetings vermittelt.

Unser Diagnostikdepartment bietet Online Assessments und auch online Entwicklungsbedarfsanalysen zu virtuellem Arbeiten an.

Natürlich gibt es einige Unternehmen, die schon immer so gearbeitet haben, aber für viele Teams und insbesondere für Führungskräfte ist es eine ganz neue Kultur, die sich durch die Pandemie entwickelt hat und gepflegt werden muss.

Ich denke nicht, dass wir zu reinen Präsenzseminaren zurückkehren werden, ausgenommen davon sind natürlich Unternehmen, die eine Präsenzkultur verfolgen. Meiner Meinung nach wird es eine Mischung aus analogen und digitalen Methoden werden, das ist auch ein Teil von New Ways of Learning.

Was verstehen Sie unter New Ways of Learning?

Blended Learning, Smart Learning, Webinare – das sind neue Wege des Lernens, die teilnehmergerecht und personalisiert sind, um somit jedem Teilnehmer zu ermöglichen, seine eigene Lernreise zu verfolgen.

Mehr dazu werden meine Kolleginnen Claudia Wallner und Karin Wahl in einem weiteren Interview vorstellen.

Sind die Vorbereitungen durch diese Umstellung intensiver geworden?

Die Vorbereitung von maßgeschneiderten Projekten war immer schon sehr arbeitsintensiv, im Rahmen der virtuellen Seminare hat sich der Aufwand verdoppelt. Aber es gibt immer Vor- und Nachteile. Zu glauben, dass in einem Webinar alles 1:1 aus einem Präsenzseminar umsetzbar ist, ist der größte Trugschluss.

Wie wird sich die Zukunft der Personalentwicklung & Training Ihrer Meinung nach verändern?

Ich denke, es wird eine gesunde Mischung sein. Für die Abhandlung mancher Themen wird ein persönliches Treffen unumgänglich sein, zum Beispiel dort, wo man eine intensive emotionale Gruppendynamik schaffen muss oder diese bereits existiert, wie in sehr konfliktreichen Moderationen oder in Situationen, in denen Personen schnell zusammenwachsen müssen. Außerdem können Emotionen virtuell nie so gut vermittelt werden.

Trainingsprogramme werden immer mehr das Beste aus beiden Welten vereinen. Eine gute Mischung zu finden, das wird in Zukunft die Challenge sein.

Lesen Sie hier den ersten Teil der Interviewserie